Während der Schulzeit gibt es Zeiten, in denen man gerne zur Schule geht, in anderen Zeiten jedoch überhaupt nicht. Manchmal ist dies abhängig von der Klassengemeinschaft, meist jedoch auch von den Lehrern und davon, wie Unterrichtsstoff vermittelt wird - d.h. wie sehr einem Schule Freude macht.
In der 10. Klasse, wir nannten sie am altsprachlichen Gymnasium Obertertia, bekam ich einen neuen Mathematiklehrer. Bisher war ich begeistert vom Fach Mathe, doch nun änderte sich dies. Mein neuer Mathe Lehrer erklärte zwar viel, aber irgendwie verstand ich nicht, wovon er sprach. Innerhalb eines Schuljahres rutschte die Note meines Lieblingsfaches von 2 auf 4 runter.
Familienmitglieder meinten bei mir wg. dieses Umstandes bereits eindeutig zu erkennen, dass ich nun den Anforderungen des Gymnasiums nicht mehr gewachsen sei und hätte ich nicht den Zweier in Musik gehabt, ich wäre sitzen geblieben. Mein Frust und der meiner Eltern war sehr groß - doch ich war immerhin ein Schuljahr weiter.
In der Untersekunda wurde der Mathelehrer erneut gewechselt. Nun war es wieder mein Lieblingslehrer aus früheren Zeiten: Herr Krämer. Meine Mathezensur verbesserte sich wieder und ich freute mich auf jeden neuen Inhalt. Auf einmal konnte ich mit Mathe wieder etwas anfangen.
Später erfuhr ich, dass sich viele Eltern über den Wechsel des Mathematiklehrers in der Obertertia beschwert hatten. Unser guter Mathelehrer hatte offenbar allen besser gefallen, er konnte den Stoff bestens vermitteln und erklärte uns vieles so, dass wir es verstanden.
Gerne denke ich bis heute an meinen Mathelehrer, Herrn Krämer, zurück!
Ich war nie gerne in der Schule. Meine Aufnahmeprüfung mit 12 Jahren an ein evangelische Gymnasium hatte ich bestanden. Es war ein Internat. Vater meinte, eine preußische Erziehung täten den Jungens gut. Man darf nicht vergessen, das Kriegsende war gerade mal 12 Jahre vorbei. Die meisten Lehrer waren noch Nazi-geschult und unsere Heimleiterin war eine KZ-Aufseherin in Majdanek, die war eine widerliche Frau, die genau wusste, wie man Kinder in dem Alter demütigen konnte. Wir haben die gehasst. Nach einem Jahr hat man uns 6 Zimmergenossen der Schule verwiesen, weil wir versucht haben, die Frau verbal zu schädigen. Wir wurden von den Lehrkräften noch geschlagen, zur Arbeit gezwungen und mussten bis zum Schluss das essen, was auf dem Teller lag. Musste ich mich bei entsetzlichen Kartoffelklößen übergeben, bekam ich die gleiche Menge wieder vorgesetzt. So saß ich 4 Stunden an dem verfluchten Teller. Bis heute rühre ich keine Kartoffelklöße mehr an. Mein Vater musste für das Internat viel Geld bezahlen. Ich wurde zu seiner größten Enttäuschung. Auf der Mittelschule rutschte ich ohne Leidenschaft mal gerade so eben durch. Bildungswahn bekam ich erst im Beruf und hatte dort auch die Möglichkeit praktische Betriebswirtschaft zu studieren. Übrigens der Lehrer, der am besten mit seinem Kartenzeigestock uns schlagen konnte, war der Musiklehrer mit seiner verdammten Stimmgabel. Er wurde noch zum Lehrer unter Kaiser Wilhelm ausgebildet. Der Rest der Lehrerschaft waren überzeugte Nazis, die durch die Entnazifizierung gerutscht waren. Das Land brauchte Lehrer.
Heute ist das anders. Die Lehrer müssen aufpassen, dass sie von den Schülern nicht gedemütigt werden. Ein Mittelmaß aus beiden wäre vielleicht gut.
Es ist schon tatsächlich so, dass ein gegenseitiges Verständnis dasein sollte - und vor allem, dass ein/e Lehrer/in ein Gespür dafür hat, WIE man den Stoff übermittelt. Ich war auch immer irgendwie auf die Lehrkraft fixiert, was man auch an den Noten ablesen konnte. Das geht wirklich vielen Kindern und Jugendlichen so.
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