Clara hasste Fasching. Wirklich. Sie liebte Ordnung, klare Gespräche und Menschen, die nicht als „sexy Kartoffel“ über ihre Gefühle hinweg tanzten. Trotzdem stand sie an diesem Abend in einer überfüllten Altstadtkneipe, verkleidet als schwarze Katze – aus reinem Pragmatismus. Schwarz ging immer, Katzen waren unauffällig, und ausserdem hatte ihre beste Freundin geschworen: „Heute lernst du jemanden kennen.“ Die Musik war laut, der Boden klebrig, und Claras Hoffnung überschaubar.
Da rempelte sie jemand an. „Entschuldigung“, sagte eine Stimme. Tief, freundlich. Sie blickte auf – und sah einen Mann im Pinguinkostüm. Elegant, komplett mit Fliege.
„Schöner Abend für die Antarktis“, murmelte sie. Er grinste. „Global Warming, man muss flexibel bleiben.“
Sie lachten unerwartet und blieben nebeneinanderstehen. Sie redeten. Über absurde Kostüme. Über schlechte Dates. Über die Freiheit, sich hinter Masken zu verstecken. Der Pinguin hieß angeblich „Herr Frack“, wollte anonym bleiben und bestellte zwei Gläser Prosecco.
„Fasching ist ehrlich“, sagte er. „Man zeigt mehr von sich, wenn man sich versteckt.“ Clara nickte. Vielleicht hatte sie Fasching einfach falsch verstanden.
Sie tanzten. Ein bisschen unbeholfen – Katzenpfoten und Pinguinfüsse waren keine perfekte Kombi. Trotzdem passte es zu gut fast. Irgendwann kam der Moment, den alle kannten: Mitternacht. Kostümprämierung, Masken runter.
„Bleibst du hier?“ fragte der Pinguin. „Nur wenn du bleibst“, sagte Clara.
Die Musik stoppte. Der Moderator zählte runter. „Drei … zwei … eins!“ Masken fielen, der Pinguin zog den Kopf ab.
Und Clara erstarrte, vor ihr stand Tom. Tom, der Mann, mit dem sie vor drei Monaten ein furchtbares Date gehabt hatte. Tom, der zu viel über seine Zimmerpflanzen geredet und am Ende gesagt hatte: „Ich glaube, der Funke fehlt.“
„Oh“, sagte er. „Oh“, sagte sie.
Sekunden voller Stille. Dann lachten sie – laut, ehrlich, erleichtert.
„Weisst du“, sagte Tom, „ohne Kostüm war ich nervös. Ich wollte gefallen.“ Clara hob ihr Katzengesicht ab. „Und ich war ohne Kostüm viel zu streng.“
Er sah sie an, wirklich an: „Vielleicht“, sagte er, „sollten wir uns öfter verkleiden.“ Sie lächelte: „Oder einfach ehrlicher sein.“ Sie küssten sich – mitten im Trubel zwischen Einhörnern und Piraten.
Und Clara dachte: Vielleicht ist Fasching nicht die Zeit, in der man jemand anderes ist. Sondern die einzige Nacht im Jahr, in der man sich traut, man selbst zu sein.
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