Heute bekomme ich Besuch vom Vermieter unserer Garage. Die Fernbedienung funktioniert nicht und er sorgt für Ersatz. Beim Programmieren des kleinen Kästchens berichtet er mir, dass er im Augenblick sehr viel zu tun habe, da seine Frau vor kurzem gestorben sei.
Sie habe für den Terminkram und die Bestellung diverser Dinge gesorgt, nun falle ihm dies alles auch noch zu. Dabei habe er doch schon die 70 überschritten und wolle sich langsam aber sicher zur Ruhe setzen.
Von seiner Partnerin wusste ich bisher nichts. "Habe ich es richtig in Erinnerung, dass sie vor 10 Jahren, als wir uns das letzte Mal sahen, noch nicht verheiratet waren?", frage ich ihn. Er bestätigt mir meine Vermutung und beginnt nun zu schmunzeln. "Ja, wo die Liebe hinfallen kann, aber leider ist dies ja nun schon wieder vorbei."
Ohne dass ich ihn danach frage, beginnt er mir zu erzählen, wie die beiden sich kennen- und lieben gelernt haben: "Es war vor gut 7 Jahren. Meine Frau war meine Nachbarin aus dem Doppelhaus, in dem ich schon so lange wohne. Wir kannten uns zwar und grüßten uns ab und zu, aber mehr war da nicht. Dann kam der starke Sturm Ela und der große Baum, der genau an der Grenze beider Grundstücke stand, kippte dabei um."
Als er dies erzählt, erinnere ich mich an unsere Straße. Vieles erinnerte nach den heftigen Windböen an einen Dschungel, als wir versuchten, uns durch das heruntergefallene Grün auf der Straße zu kämpfen. Mehr als eine Woche waren die Aufräumdienste damit beschäftigt, alles wieder halbwegs in Ordnung zu bringen.
Unser Vermieter erzählt weiter: "Nun hatten wir beide einen großen Schaden, der hohe Zaun zwischen unseren beiden Grundstücken war niedergedrückt und die Gärten wurden durch die Baumkrone total verwüstet. Alles betraf nun unser beider Grundstücke. Bei diesen vielen Aktionen, die nun nötig waren, haben wir uns irgendwie besser kennengelernt und dabei regelrecht ineinander verknallt."
Nun berichtet er begeistert von den Ergebnissen der Aufräumarbeiten und dem Einrichten eines gemeinsamen Gartens ohne abgrenzenden Zaun. "Dabei haben wir auch einige Wände der Haushälften durchbrechen lassen, so dass aus zwei Häusern eines wurde." Noch manches berichtet er mir über seine, wie er immer wieder betont, reizende Frau. "Als wir dann jedoch dieses Jahr aus dem gemeinsamen Urlaub kamen, klagte meine Frau plötzlich über Unterleibsschmerzen. Krebs ... und dann ging es ganz schnell."
"Nun bin ich halt wieder allein, aber glauben sie mir bitte: so hatte ich mir das nicht vorgestellt! Im Moment plane ich, die verschiedenen Flächen des zu groß gewordenen Hauses zu vermieten. Auf die Mietkosten bin ich dabei gar nicht scharf. Ich möchte nur unkomplizierte Menschen dort leben haben, denn in einem so großen Haus plötzlich ganz allein zu sein, das kann und möchte ich nicht."
Inzwischen funktioniert die Fernbedienung und ich bedanke mich sehr herzlich für die schnelle Hilfe. Aber ich sage auch "Danke" für diese schöne wenn auch irgendwie im Abschluss traurige Geschichte, die mal wieder das Leben schrieb und wünsche meinem Vermieter für die Zukunft und die anstehenden Veränderungen alles Gute.
wie schön ist es, wen im Alter die Liebe noch mal an die Tür klopft. Diese Jahre kann deinem Vermieter niemand nehmen, auch wenn er seine geliebte Frau nach so kurzer Zeit wieder hergeben musste. Danke, dass du für uns diese Geschichte hier eingestellt hast. Ich habe sie gerne gelesen.
Ich danke dir auch, Rainer, für das Einstellen dieser Geschichte! Ich mag deine Geschichten, weil sie immer voll aus dem Leben gegriffen sind und du es verstehst, sie einfühlsam zu erzählen.
Wie Sabine schon schrieb... schön, wenn man im Alter noch einmal eine so schöne Liebe erleben darf. Mein Papa hat sich mit 88 Jahren noch einmal in seine Jugendliebe verliebt, er lebte regelrecht auf. Leider verstarb sie aber nach einem guten Jahr.
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