Nicht dass mich mein „Heiligenschein“ noch mehr drücken soll. Nein, deshalb will ich meine „Lebensrettungen“ nicht zum Besten geben, aber mir fallen immer wieder einige ein. Dabei will ich das Huhn, das sich jämmerlich in einem Schwarzdorn-Strauch verheddert hatte und bestimmt nicht von selbst herausgekommen wäre, gar nicht weiter erwähnen. Auch nicht die zahllosen kleinen Kröten, die ich beim Nachbarn aus den Kellerlöchern befreit habe, oder die zappelnden Fische aus den Pfützen eines austrocknenden Teiches und den Miniigel, der bei uns den Winter verbringen konnte. Aber die folgende Geschichte kann man wirklich in die Rubrik „Lebensrettung“ einfügen: Da es zu der Zeit in der Nähe keine annehmbaren Saunen gab, bin ich, wenn es zeitlich passte, nach Bad Lippspringe in die Therme gefahren. Normalerweise musste man über die schwierige Erhöhung zwischen Berlebeck und Schlangen, der Gauseköte, fahren, aber manchmal war die Schranke am Übungsgebiet der Soldaten offen, und dann konnte man die Abkürzung benutzen. Die Möglichkeit hatte ich auch an dem bewussten Nachmittag. So bin ich also problemlos in Lippspringe angekommen. Es war vom Kalender her eigentlich Winter, aber der ließ sich noch nicht spüren. Nur, als ich es mir in einer Schwitzkammer bequem gemacht hatte, konnte ich aus einem kleinen Fenster heraus sehen, dass es stark schneite. Mit Sorge hatte ich an die schwierige Rückfahrt gedacht. „Na hoffentlich wird das nicht zu viel,“ habe ich gedacht, aber da ich sowieso nichts ändern konnte, habe ich mich wieder der Entspannung gewidmet. In den letzten drei Stunden hatte der Himmel so viel Schnee auf die Erde geworfen, dass ich erst einmal mein Fahrzeug freimachen musste. Die Straße vor der Therme war schon einmal geräumt worden, so dass das Fahren noch gut möglich war. Aber dass ich bei den Verhältnissen nicht über die Gauseköte komme, war mir schon klar. Deshalb hoffte ich, dass das Übungsgebiet nicht wieder geschlossen war. Ich konnte aufatmen, denn die Schranke war geöffnet. Geräumt war die Straße nicht, aber ein paar Fahrzeuge hatten sie schon passiert, so dass ein langsames Vorwärtskommen möglich war. In einiger Entfernung vor mir konnte ich auch einen anderen Mercedes ausmachen. Die Straße führte fast immer geradeaus, und ich habe immer schön Abstand gehalten, denn ein Überholen wäre sowieso nicht möglich gewesen. Dass die Straße nach einigen Kilometern einen scharfen Knick nach Rechts macht, war mir bekannt, also bin ich noch vorsichtiger gefahren. Als ich die Abknickung gut gemeistert hatte, habe ich vergeblich nach dem anderen Fahrzeug Ausschau gehalten. Da ich mir das nicht erklären konnte, bin ich angehalten. Dann erst fiel mir auf, dass eine Wagenspur nach rechts durch Büsche hindurch in einen Graben führte. Obwohl es immer noch unangenehm schneite und kalt war, habe ich mein Auto so sicher, wie nur möglich, geparkt, und bin der Spur gefolgt. Das brauchte ich aber nicht lange, denn es war nicht weit bis zu dem, im Graben festsitzenden Mercedes. Der hatte sich so eingeklemmt, dass nicht einmal die Türen zu öffnen waren. Ein älteres Ehepaar saß völlig aufgelöst in der Falle, körperlich war ihnen aber anscheinend nichts passiert. Es gab keine Möglichkeit die beiden herauszuholen, auch nicht durch ein Fenster. Für die war ich aber dann der Schutzengel, denn von der Straße, die sowieso wenig befahren wurde, war das Fahrzeug nicht zu sehen, und auch mir wäre es nicht aufgefallen, wenn ich es nicht vorher gesehen hätte. Das, was ansonsten passiert wäre, will man sich gar nicht ausmalen. Da ich in der Zeit als Kaufmann oft in den gerade geöffneten neuen Bundesländern tätig war und es dort mit der Kommunikation haperte, hatte ich mir ein Autotelefon einbauen lassen. Dass Jedermann mit Handy herumläuft, gab es noch nicht. Mit dem Telefon habe ich dann Rettungskräfte herbei telefoniert, denen allen die gefährliche Stelle bekannt war. Der alte Herr hat sich dann Tage später mit einer Flasche Wein aus seinem Bestand bedankt. Die war leider schon überlagert und war nicht genießbar. Aber was soll´s: Bedankt hatte er sich!
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