Einige Stunden Wanderzeit liegen hinter mir, als ich am Waldrand auf ein verlassenes Haus treffe. Der verwilderte Garten, der das Haus umgibt, übt einen eigenartigen Reiz auf mich aus. Er wirkt irgendwie verwunschen und würde sich gut als Märchenkulisse eignen. Eine morsche Holzbank lädt mich zur Rast ein; ich lasse meinen Gedanken freien Lauf. Wer mag hier einst gelebt haben? Erfüllte den Garten einmal fröhliches Kinderlachen?
Lange Rosenranken umrahmen fast schützend die alte Haustüre, von der die blaue Farbe größtenteils abgeblättert ist. Von wem wurden die Rosen einmal liebevoll gepflanzt und gepflegt? Wann mag das Leben im Inneren des Hauses erloschen sein und welches Schicksal steckt dahinter? Das schützende Dach ist an verschiedenen Stellen eingestürzt. Aus einigen Ritzen sehe ich versamte Bäumchen wachsen. Ich glaube junge Birken zu erkennen.
Aus den trüben Fensterscheiben blickt nun Trauer, schluckt den letzten Hauch einstiger Geborgenheit. Wie lange werden sie das Innere des Hauses noch vor Wind und Wetter schützen können? Ganz offensichtlich gibt es niemanden mehr, der Interesse am Erhalt dieses einstmals sicherlich sehr schönen Hauses hat. Es ist dem Verfall preisgegeben.
Im knorrigen Apfelbaum über mir stimmt ein Amsel, unbeirrt der sie umgebenden Vergänglichkeit, aus voller Kehle ein frohes Lied an. Das Leben geht weiter!
Hallo liebe Gerhild, vielen Dank für das Bereitstellen deiner Geschichte.
Habe gerade daran gedacht, wie schnell einige Häuser bei uns in der Stadt abgerissen worden sind. Manchmal habe ich Schwierigkeiten mich daran zu erinnern was für ein Haus dort überhaupt gestanden hat. Dann stehen genauso schnell neue Häuser da. Häuser von denen ich manchmal denke: Die werden in ein paar Jahren schäbiger aussehen, als die danebenstehenden alten Häuser. Deine verfallenenes Haus ist wie ein umgestürzter Baum; Boden und Grundlage für das Kommende. Die Geschichte ruft auch ein wenig das Märchen vom Dornröschen herbei.
Viele herzliche Grüße aus der Provinz Lippe sendet
Lieber Walter, jedes Haus (ver-)birgt seine eigene Geschichte. Lachen und Weinen wurden von den Mauern verschluckt. Es tut mir immer weh, wenn ich sehe, wie Häuser, die dem Verfall preisgegeben sind, mit Farbe und dummen Sprüchen besprüht werden oder wenn die Fensterscheiben - Augen der Häuser - mutwillig zerstört werden. Dabei denke ich immer an die vormaligen Besitzer, die oftmals viele Liebe und Arbeit in ihr Zuhause gesteckt haben. Mit herzlichen Grüßen Gerhild
Liebe Gerhild! Sehr schön geschrieben. Schade das Traditionen heute keine Bedeutung mehr haben. So manches geschichtsträchtiges Gebäude hätte man erhalten können. Liebe Grüße Bernd
Der Garten der Poesie präsentiert seine Mitglieder auf den Kreativmarkt in Lage/Hörste am 19.+20.11 und auf dem Weihnachtsmarkt in Lage vom 25.11.-23.12.2011
Ja, lieber Bernd, ich teile voll deine Meinung. Eine Freude ist für mich immer der Besuch eines Freilichtmuseums, wo man mit viel Mühe und Liebe alte Gebäude wieder im ursprünglichen Zustand aufleben lässt. Liebe Grüße Gerhild
Liebe Monika, ich freue mich, dass dir meine Gedanken um das einsame Haus gut gefielen. Danke! Bei dieser Gelegenheit habe ich auch feststellen dürfen, dass du (neu?) als Mitglied im Garten dabei bist. Klasse! Ich freue mich demnächst auch von dir zu lesen, bin allerdings die nächsten 2- 3 Wochen nicht im Garten präsent. Liebe Grüße Gerhild